Was braucht eine Stadt, damit Menschen nicht nur nebeneinander, sondern miteinander leben? Darüber haben wir bei in der Veranstaltung „Begegnung schafft Zukunft“ gesprochen. Die vielleicht wichtigste Antwort des Abends stand nicht auf einer einzelnen Karte. Sie steckte in ziemlich vielen: Zusammenhalt beginnt bei uns selbst.
Es war ein heißer Abend. Sehr heiß sogar.
Und trotzdem kamen Menschen in der Kostbar zusammen, um sich mit einer Frage zu beschäftigen, die mir gerade in diesen Zeiten besonders wichtig ist:
Was hält uns eigentlich zusammen?
Nicht abstrakt als Gesellschaft irgendwo in Deutschland. Sondern hier. In Springe. In unseren zwölf Ortsteilen. In Nachbarschaften, Vereinen, Unternehmen, Schulen, Initiativen – überall dort, wo Menschen aufeinandertreffen.
Wir wollten an diesem Abend nicht möglichst viele Antworten vorgeben. Wir wollten miteinander welche finden.
Und genau das ist passiert.
Begegnung braucht einen guten Rahmen
Eine der Fragen lautete: Wie kann Stadtplanung Zusammenhalt fördern?
Die Antworten waren erstaunlich deutlich.
Menschen wünschen sich Orte, an denen Begegnung überhaupt stattfinden kann. Öffentliche Räume und Grün. Treffpunkte. Begegnungsstätten. Eine attraktive Stadtmitte. „Dritte Orte“, an denen man sein kann, ohne zwingend etwas konsumieren oder Mitglied irgendwo sein zu müssen.
Diese Orte müssen erreichbar und möglichst barrierefrei sein. Sie sollten unterschiedliche Generationen ansprechen und so gestaltet sein, dass Menschen sich dort gerne aufhalten. Diese Orte sollten konsumfrei sein, um wirklich alle ansprechen zu können.
Das klingt zunächst nach Stadtplanung. Ist aber eigentlich schon Gesellschaftspolitik.
Denn die Art, wie wir unsere Stadt und unsere Dörfer gestalten, entscheidet mit darüber, ob Menschen einander begegnen – oder aneinander vorbeileben. Ob wir zusammenhalten, uns auseinanderleben oder uns gar spalten lassen.
Ein Raum allein macht noch keine Begegnung
Das wurde bei der nächsten Frage deutlich.
Denn natürlich können wir einen Treffpunkt bauen, eine Bank aufstellen oder einen Raum zur Verfügung stellen.
Wenn niemand weiß, dass dort etwas stattfindet, hilft das wenig.
Deshalb tauchten auf den Karten immer wieder andere Begriffe auf:
Information. Kommunikation. Vernetzung. Transparenz. Niedrigschwelliger Zugang.
Veranstaltungen müssen sichtbar sein. Menschen müssen erfahren, was in ihrem Ortsteil oder anderswo in Springe passiert. Vereine und Initiativen könnten besser voneinander wissen. Veranstalter können sich gegenseitig unterstützen und vielleicht manches gemeinsam auf die Beine stellen.
Und möglicherweise brauchen wir gar nicht überall mehr.
Vielleicht müssen wir manches, was längst da ist, einfach besser miteinander verbinden und sichtbarer machen.
Das ist für mich eine wichtige Erkenntnis dieses Abends.
Was kann die Stadt tun?
Natürlich hat eine Kommune dabei Verantwortung.
Sie kann bei der Stadtplanung Begegnung mitdenken.
Sie kann Räume ermöglichen.
Sie kann Vereine, Initiativen und Ehrenamt unterstützen.
Sie kann Informationen leichter zugänglich machen. Und der Rahmen ist da: Die Stadt Springe finanziert aktuell die Dorffunk-App – vom Fraunhofer Institut entwickelt und in Sachen Datenschutz erprobt. Ein Tool gibt es also – es kennen aber nur wenige.
Sie kann Menschen miteinander vernetzen.
Und sie kann Verwaltungswege so gestalten, dass jemand, der etwas für die Gemeinschaft auf die Beine stellen möchte, nicht schon an der Organisation die Lust verliert.
Ich sehe deshalb eine wichtige Rolle der Stadtverwaltung bei der Gestaltung von Begegnungen:
Nicht alles selbst machen. Aber vieles möglich machen.
Und dann kam an diesem Abend eine Frage, die ich fast noch wichtiger finde.
Und was kannst DU tun?
Die Antworten darauf haben mich beeindruckt.
Nicht, weil sie spektakulär waren.
Sondern weil sie so einfach sind.
Zuhören.
Auf Menschen zugehen.
Hilfe anbieten.
Zu Veranstaltungen gehen.
Sich im Verein oder in einem Projekt engagieren.
Kontakte pflegen.
Neue Menschen kennenlernen.
Eigene Ideen einbringen.
Probleme ansprechen und nicht wegschauen.
Und auch:
Andere Meinungen aushalten.
Kein einziger dieser Punkte braucht zunächst einen Ratsbeschluss.
Zusammenhalt heißt nicht, dass wir alle dasselbe denken
Dieser Gedanke beschäftigt mich schon durch meinen gesamten Wahlkampf.
Ich habe in den vergangenen Monaten sehr viele Menschen getroffen, die Dinge anders sehen als ich.
Und ich habe immer wieder erlebt: Wenn ich wirklich zuhöre und versuche zu verstehen, warum jemand eine bestimmte Position vertritt, wird aus einem schnellen Richtig oder Falsch häufig etwas anderes.
Dahinter steckt vielleicht eine Erfahrung.
Eine Sorge.
Ein Bedürfnis.
Manchmal Wissen, das mir fehlt.
Und manchmal entdecken wir sogar etwas, worin wir uns sehr wohl einig sind.
Verbinden statt Spalten bedeutet für mich deshalb nicht, Unterschiede wegzureden.
Es bedeutet, sie auszuhalten und trotzdem neugierig aufeinander zu bleiben.
Das ist anstrengender, als sich nur mit Menschen zu umgeben, die ohnehin derselben Meinung sind.
Aber ich bin überzeugt: Unsere Stadtgesellschaft braucht genau das.
Die Menschen, die nicht im Raum waren
Und deshalb möchte ich bei einem Rückblick auf diesen Abend ausdrücklich nicht nur über diejenigen sprechen, die in der Kostbar dabei waren.
Denn die vielleicht viel größere Veranstaltung „Begegnung schafft Zukunft“ findet jeden Tag statt.
In allen zwölf Ortsteilen.

Da ist jemand, der beim Dorffest Tische schleppt.
Jemand trainiert eine Jugendmannschaft.
Eine andere öffnet das Vereinsheim.
Jemand besucht die ältere Nachbarin.
Menschen organisieren Feuerwehr, Musik, Sport, Kultur oder einen Flohmarkt.
Jemand stellt eine Bank vor die Tür und kommt mit anderen ins Gespräch.
Eine Person sieht, dass Hilfe gebraucht wird – und wartet nicht darauf, dass jemand anderes zuständig ist.
Und irgendwo sitzt vielleicht gerade jemand mit einer richtig guten Idee und weiß noch nicht, mit wem er oder sie sie gemeinsam umsetzen könnte.
Diese Menschen sind für mich die eigentlichen Gestalterinnen und Gestalter unserer Stadtgesellschaft.
Viele von ihnen kenne ich inzwischen.
Sehr viele noch nicht.
Was gehört in deinen Werte-Mocktail?
Zum Abschluss unseres Abends wurde es dann noch einmal ganz praktisch.
An unserer Mocktail-Bar konnten aus regionalen Säften eigene Werte-Mocktails entstehen.
Die eigentliche Zutat war aber eine Frage:
Was ist für dich unverzichtbar, damit Gemeinschaft funktioniert?
Respekt? Vertrauen? Offenheit? Hilfsbereitschaft? Toleranz? Verantwortung? Mut?
Vielleicht ist es auch eine ganz andere Zutat.
Das Rezept darf bei jedem Menschen ein bisschen anders aussehen.
Denn eine gute Stadtgesellschaft lebt nicht davon, dass alle gleich sind.
Sie lebt davon, dass unterschiedliche Menschen bereit sind, etwas von sich in die Gemeinschaft hineinzutragen.
Politik und Verwaltung können dafür einen guten Rahmen schaffen.
Aber das Entscheidende passiert zwischen Menschen.
Beim Zuhören.
Beim Mitmachen.
Beim Streiten und Wieder-Zusammenfinden.
Beim Helfen.
Beim gemeinsamen Anpacken.
Beim ersten „Hallo“.
Begegnung schafft Zukunft.
Und davon gibt es in Springe vermutlich sehr viel mehr, als auf einen einzigen Abend in der Kostbar passt.


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