Natürlich bin ich traurig über das Ergebnis. Denn ich hätte sehr gerne die Chance bekommen, meine Vorstellungen für Springe tatsächlich umzusetzen. Wenn man sich zwei Jahre intensiv vorbereitet und dann einen Wahlkampf mit so viel Energie und Herzblut führt, hofft man, dass daraus am Ende auch Gestaltungsmöglichkeiten entstehen.

Eine Wahl ist kein Bewerbungsverfahren

Dass eine Bürgermeisterwahl kein Bewerbungsverfahren ist, war mir schon während des Wahlkampfes bewusst. Die Menschen vergleichen nicht acht Lebensläufe nach einem Kriterienkatalog und fragen: Wer bringt für dieses Amt die besten Erfahrungen und Kompetenzen mit?

Eine Wahl folgt anderen Mechanismen. Bekanntheit, Parteibindung, Sympathie und vor allem schnell verständliche Botschaften spielen eine große Rolle.

Trotzdem wollte ich meinen Wahlkampf nicht danach ausrichten, was am stärksten polarisiert oder die meisten Stimmen verspricht. Ich bin eine verbindende Person. Mir ging es in den Gesprächen, an den Haustüren, bei den Kaffeedates und Veranstaltungen darum zu zeigen, wie ich denke, wie ich arbeite und wie ich als Bürgermeisterin führen würde.

Ich wollte Vertrauen in Kompetenz und Erfahrung schaffen – und nichts versprechen, von dem ich nicht weiß, ob und wie es umsetzbar ist. Ehrlichkeit ist für mich ein wichtiger Wert.

Sichtbar sein reicht nicht automatisch

Gleichzeitig habe ich sehr viel dafür getan, über Völksen hinaus in ganz Springe sichtbar zu werden. Denn wer mich nicht kennt, kann mich auch nicht wählen.

Was ich vielleicht unterschätzt habe: Sichtbarkeit führt nicht automatisch dazu, dass Menschen den nächsten Schritt gehen und sich intensiv mit der Person hinter dem Namen und ihrer Eignung beschäftigen.

Gerade als parteilose Kandidatin hatte ich keine Stammstimmen. Mich konnte niemand quasi nebenbei mitwählen, weil mein Name unter dem Logo einer Partei stand, die er oder sie ohnehin unterstützt.

Wer Petra Keck gewählt hat, musste sich bewusst für Petra Keck entscheiden.

Und genau deshalb bedeuten mir diese 1.662 Stimmen viel.

Viele dieser Menschen haben sich inzwischen bei mir gemeldet, mir erzählt, warum sie mich gewählt haben, welche Podcastfolge sie besonders angesprochen hat oder wo sie sich in meinem Blick auf Springe wiedergefunden haben.

Das zeigt mir: Wo mein Angebot Anschluss gefunden hat, hat es sehr bewusst Anschluss gefunden.

Mein Angebot war nicht immer das einfachste

Wer die Ratsarbeit, die Auseinandersetzungen und strukturellen Herausforderungen in Springe nicht aktiv verfolgt, für den sind Lösungsansätze dafür naturgemäß weniger vermittelbar.

Ein konkretes zusätzliches Angebot oder ein lautes Beklagen von Missständen lässt sich leichter erfassen als die Frage, wie Verwaltung, Rat und Stadtgesellschaft besser miteinander arbeiten können.

Aber genau darin lag mein Ansatz.

Ich wollte nie Berufspolitikerin sein. Ich wollte eine engagierte Person für den Ort sein, an dem ich lebe – und das bin ich seit vielen Jahren.

Ich glaube daran, dass in Springe unglaublich viel Wissen, Erfahrung und Engagement vorhanden ist. Gute kommunale Führung hätte für mich bedeutet, diese Kräfte zusammenzubringen, die richtigen Fragen zu stellen und daraus tragfähige Lösungen entstehen zu lassen.

Vielleicht ist das weniger schmissig und weniger wahlkampftauglich. Aber es entspricht meinem Verständnis von Führung.

Und: in Zeiten, wo unsere politische Rhetorik sich mehr durch die Polarisierung und Spaltung auszeichnet, da gehen verbindende Stimmen möglicherweise leichter unter.

Auf das Amt vorbereitet – nicht bereit für jede Spielregel des Wahlkampfs

Ich habe mich intensiv auf das Amt vorbereitet: auf Verwaltungsrecht, Haushalt, kommunale Zuständigkeiten, Investitionen und die Schaffung finanzieller Handlungsspielräume.

Ich wollte wissen, was ich ab dem 1. November hätte tun müssen, um eine gute Bürgermeisterin zu sein.

Gleichzeitig habe ich viel Energie in meine Sichtbarkeit gesteckt. Vielleicht habe ich stärker auf die Aufgabe hingearbeitet als nach allen Regeln des politischen Wahlkampfs auf das Gewinnen der Wahl.

Damit bin ich im Reinen.

Wer mich im Wahlkampf erlebt hat, hat ziemlich genau die Petra erlebt, die auch Bürgermeisterin gewesen wäre. Das war mir wichtig.

Eine Frage aus Sicht der Gleichstellungsbeauftragten

Und aus meiner beruflichen Rolle als Gleichstellungsbeauftragte nehme ich noch eine Frage mit:

Wie wäre eigentlich ein 53-jähriger Mann mit meinem Lebenslauf, meiner beruflichen Erfahrung, drei Kindern, jahrzehntelangem ehrenamtlichem Engagement und derselben intensiven Vorbereitung wahrgenommen worden?

Ich weiß es nicht.

Aber die Frage darf gestellt werden.

Was dieser Wahlkampf nur gemeinsam möglich gemacht hat

Dankbar bin ich meinem Arbeitgeber und unserem Vorstand dafür, dass ich meine Arbeitszeit so gestalten konnte, dass dieser Wahlkampf überhaupt möglich war.

Und ganz besonders dankbar bin ich meiner Familie und meinem großartigen Wahlteam, die in den vergangenen Monaten sehr viel mitgetragen haben.

Vor meiner Kandidatur hatte ich einmal eine Liste mit Vor- und Nachteilen des Bürgermeisteramtes gemacht. Auf der Seite der Nachteile stand tatsächlich nur ein Punkt: Ich könnte mich als Bürgermeisterin mit meiner Familie oder meinen Freunden nicht mehr unerkannt durch Springe bewegen.

Nun werde ich das weiterhin können.

Ich werde im Freibad, im Wisentgehege, im Café und auf dem Marktplatz unterwegs sein. Und vor allem werden die Wochenenden wieder stärker meiner Familie gehören.

Es ist wieder mehr Raum für gemeinsame Zeit, spontane Unternehmungen und ein Familienleben, bei dem nicht ständig der nächste Wahlkampftermin mit am Tisch sitzt.

Das ist kein Trostpreis. Es ist tatsächlich eine andere Variante von Hauptgewinn – und auch darauf freue ich mich.

Und jetzt?

Ich habe Springe ein Angebot gemacht. 1.662 Menschen haben dieses Angebot angenommen. Andere haben sich anders entschieden.

Das ist Demokratie.

Ja, ich bin traurig darüber, dass ich diese Aufgabe nicht übernehmen werde.

Aber ich bin nicht traurig darüber, wie ich diesen Weg gegangen bin.

Ein vierter Platz bei einer Bürgermeisterwahl entscheidet ziemlich eindeutig darüber, wer nicht am 1. November ins Rathaus einzieht.

Er entscheidet aber nicht darüber, welche Wege und Möglichkeiten danach noch vor einem liegen.

Und auf die bin ich gespannt.