Ich habe in den vergangenen Monaten ziemlich viele Kaffees getrunken.

„Auf einen Kaffee mit Petra“ hieß eines meiner Angebote im Wahlkampf – quasi die Bürgersprechstunde „on tour“. Mal kamen zwei Menschen, mal fünf, mal zehn, mal fünfzehn. Wir haben in verschiedenen Cafés in unterschiedlichen Ortsteilen zusammengesessen, mit einer Tasse Kaffee um meinen Bistrotisch gestanden und sehr unterschiedlich intensive Gespräche geführt.

Dazu aber ein anderes Mal mehr.

Denn „Auf ein Kaltgetränk mit Petra“ gab es genau einmal. Das hatte auch mit der Resonanz zu tun.

Denn…da kam: eine Person.

Sonia Bytzek. Aus Hannover.

Man könnte also sagen: Rein zahlenmäßig war dieses Format ausbaufähig. 😉

Dieser Abend hat allerdings wieder einmal bestätigt: Diese Zahl erzählt überhaupt nichts darüber, wie wertvoll dieser Abend war.

Eine Begegnung ist keine Statistik

Sonia war über LinkedIn auf mich aufmerksam geworden und extra nach Springe gekommen. Sie hatte meinen Wahlkampf dort verfolgt und sagte mir sinngemäß:

„Ich habe das Gefühl, du hast wirklich Lust, Dinge anders zu machen. Deshalb wollte ich dich kennenlernen.“

Und dann saßen wir da. Zwei Menschen, zwei Kaltgetränke und ziemlich schnell sehr viele gemeinsame Themen.

Wir sprachen über Führung, über Haltung, über Menschen und ihre Stärken. Darüber, was passiert, wenn Führung nicht zuerst von Position, Karriere oder Hierarchie ausgeht, sondern von der Frage: Wie können Menschen gemeinsam gut gestalten?

Wir stellten ziemlich schnell fest: Das passt.

Zwei Stunden später hatten wir nicht nur viel voneinander erfahren. Es war auch eine Idee entstanden, die einige Wochen später zu unserer gemeinsamen Veranstaltung „Begegnung schafft Zukunft“ wurde.

Aus einer einzigen Teilnehmerin war eine gute neue Verbindung entstanden.

Der erste Eindruck erzählt eben nur den Anfang

Diese Erfahrung steht für mich inzwischen für viele Begegnungen der vergangenen Monate.

Nicht immer so offensichtlich wie mit Sonja.

Auf dem Markt, bei Veranstaltungen, an Haustüren oder irgendwo unterwegs begegnen mir Menschen, bei denen ich im ersten Moment überhaupt nicht weiß: Interessiert dieser Mensch sich eigentlich für Kommunalpolitik? Hat er oder sie sich mit unserer Bürgermeisterwahl beschäftigt? Will die Person überhaupt mit mir reden?

Und dann beginnt ein Gespräch.

Und plötzlich kommt eine unglaublich konkrete Frage. Jemand hat das Wahlforum verfolgt, Programme gelesen, Kandidierende verglichen oder beschäftigt sich intensiv mit einem Thema unserer Stadt.

Manchmal überrascht mich die Tiefe, mit der Menschen sich auseinandergesetzt haben, wirklich. Diese Tiefe braucht persönliche Gespräche.

Und es erinnert mich immer wieder daran, wie wenig der erste Eindruck darüber verrät, was ein Mensch denkt, weiß, erlebt hat oder mitbringt.

Erst zuhören. Dann bewerten.

Natürlich haben wir einen ersten Eindruck von Menschen. Ich auch.

Entscheidend ist für mich inzwischen viel mehr, was danach passiert.

Bleibe ich bei meinem ersten Bild?

Oder bin ich neugierig genug, es korrigieren zu lassen?

Gerade in diesem Wahlkampf habe ich erlebt, was passiert, wenn man nicht nur darauf wartet, selbst wieder sprechen zu können, sondern versucht, die Perspektive des Gegenübers tatsächlich einzunehmen.

Warum sieht jemand etwas völlig anders als ich?

Welche Erfahrung steckt dahinter?

Welche Sorge?

Welches Wissen?

Und manchmal: Welche richtig gute Idee?

Das heißt nicht, dass wir anschließend einer Meinung sein müssen.

Aber aus einem schnellen „richtig oder falsch“ wird plötzlich ein viel differenzierteres Bild.

Für mich ist genau das ein Teil von Verbinden statt Spalten.

Nicht Unterschiede wegzureden. Sondern Menschen nicht auf den ersten Eindruck, eine Meinung – oder eben eine Zahl – zu reduzieren.

Und was wurde aus der einen Teilnehmerin?

Sonia kommt inzwischen regelmäßig nach Springe – ihr Mann ist schon irritiert, aber gleichzeitig großer Freund des Deisters. Sie hat sogar die NDZ abonniert und unsere kleine Stadt schätzen gelernt.

Das freut mich übrigens fast genauso wie die Veranstaltung, die aus unserer Begegnung entstanden ist.

Denn so darf Springe gerne auf Menschen wirken, die hier zu Gast sind: eine kleine, lebenswerte Stadt, in die man gerne wiederkommt.

Und ich habe aus diesem einen Kaltgetränk noch etwas mitgenommen:

Nicht jede Begegnung im Wahlkampf muss am Ende ein Kreuz auf dem Wahlzettel bringen, um wertvoll zu sein.

Manchmal bringt sie eine neue Perspektive.

Manchmal einen Kontakt.

Manchmal eine Freundschaft.

Manchmal eine Idee.

Und manchmal entsteht daraus eine ganze Veranstaltung.

Wie viele Leute kamen also auf ein Kaltgetränk mit Petra?

Eine.

Hat sich das gelohnt?

Und wie.